Erfurt - Angermuseum

Lasset die Kindlein zu mir kommen

Über 30 Tafeln mit der Darstellung der Kindersegnung durch Jesus haben sich im Gesamtwerk der Cranachs erhalten. Eine in Hamburg aufbewahrte Tafel trägt die Datierung 1538 und ist damit der früheste Beleg für das Thema in der Cranach-Werkstatt, das auch als Einzelszene nicht vor 1530 nachweisbar ist. Es kann deshalb angenommen werden, dass diese Illustration des Jesusworts "Lasset die Kinder zu mir kommen
und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes." (z. B. Mt 19,13–15) eine wichtige Bedeutung innerhalb der Reformation hatte.

Unter Berücksichtigung der zunehmenden Konzentration Cranachs auf das leicht verständliche Lehr- und Schaubild, spielt hier das Thema "Gottvertrauen" sicherlich eine große Rolle. Die Mütter kommen zu Jesus, um ihm ihre Kinder in den Arm zu legen. Sie bringen ihm damit ihre eigenes sowie das Vertrauen ihrer Kinder entgegen. Gerade dieses kindliche Urvertrauen erklärt sich aus dem Zitat des Wortes Jesu durch die Evangelisten: "Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen" Folgerichtig zeigt Cranach die Kinder fröhlich und ausgelassen. Als ob der unmittelbare
Kontakt zum Gottessohn die natürlichste Sache der Welt sei, schlägt ein Mädchen im Spiel gar den Rock Jesu um den eigenen Körper.

Dass genau die zitierte Bibelstelle ins Bild gesetzt wurde, belegen die grimmig blickenden Jünger am linken Bildrand, allen voran Petrus mit erhobenen Händen, an die das Wort Jesu gerichtet ist und die er ermahnt: "wehret ihnen nicht". Und so ist als Inschrift am oberen Bildrand die Inschrift zu lesen: LASSET DIE KINDLIN ZV MIR KOMEN, VND WERET INEN NICHT, DEN SOLCHER IST DAS REICH GOTTES, MARC. X

Einen Hinweis auf den Entstehungszeitraum gibt der links im Bildvordergrund stehende Junge. Seine feine Kleidung aus Pluderhosen und geschlitztem Anzug sowie der flache Hut zeigen eine Mode, wie sie ab Mitte der 1540er Jahre in höfischen Kreisen getragen wurde. Bei der Suche nach einem Vergleichswerk stößt man auf das 1546 datierte großformatige Werk "Der Jungbrunnen" in Berlin. Hier wird genau diese Mode vorgeführt, ebenso die geschnürten Mieder und die rosafarben schillernden Brokatstoffe der Kleider. Vergleichbar sind auch die schlierigen Federwolken und die am Horizont erscheinenden Palastkulissen.

Die Art der Darstellung sowie die Auffassung der Gesichter ist noch ganz dem Stil des älteren Cranach verpflichtet, der trotz seines hohen Alters von über 70 Jahren die Geschicke seiner Werkstatt geleitet hat, bis er 1550 seinem inhaftierten Dienstherrn Johann Friedrich nach Augsburg folgen musste.

Im Unterschied zu allen anderen bekannten Versionen ist die Szene nicht in einen imaginären dunklen Raum verlegt, sondern spielt vor einem weiten bergigen Landschaftshintergrund. Lediglich eine Version in Dresden zeigt noch einen Ausschnitt einer Landschaft. Auch diese Vorliebe für kleinteilige Landschaften mit leicht schräg stehenden Türmen und Kathedralen ist schon in den frühen Werken Cranachs zu entdecken,
als seine Söhne noch keinen Einfluss auf den Werkstattstil ausüben konnten.

Hier finden Sie dieses Werk:

Angermuseum
Anger 18
99084 Erfurt

weitere Informationen

Eckdaten zum Werk:

Lucas Cranach d. Ä., nach 1537, Mischtechnik auf Holz

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